2020.07 Hochgebirgstrails Vinschgau

 

Enduro Rides/Bikebergsteigen Deluxe

Hochgebirgstrails im Vinschgau

Burgeis – Obervinschgau

20.-24. Juli 2020

 


Unser erster Mehrtagesurlaub nach Corona, bzw. mit Corona Lockerungen führte mich ins Obervinschgau. Gerade noch richtig, bevor der große Run kommt und uns hoffentlich die “zweite Welle” erspart bleibt. Vier Tage Bikeschleppen Deluxe über Hochgebirgspfade – weit weg von der Komfortzone.

B E S C H R E I B U N G

20.07.20 Marteller Hütte / Gletscherweg

Nach langem Warten und Ausharren der Corona Krise standen nun endlich wieder ein paar Tage in Südtirol an. So konnte ich es kaum erwarten und machte mich auf zu einer Halbtagestour am Anreisetag. Es ging mit dem Auto ein paar Kilometer weiter ins Martelltal hoch zur gleichnamigen Hütte. Die meisten kennen das Martelltal aus Touren wie Göflaner Schartlkamm oder Madritschjoch. Beide hatte ich schon unter die Stollen genommen. Dann gibt es noch Freaks, die bei einer Alpenüberquerung die Fürkelescharte ins Visier nehmen oder sogar zum Rif. Cassati über den Langenferner Gletscher spazieren. Ich für meinen Teil gab mich mit der Marteller Hütte zufrieden. Die Hütte des AVS liegt hoch über der Zufallhütte (am Madritschtal-Ende). Zuerst ging es vom Stausee auf der Straße hoch über Enzianhütte. Dann auf Schotterwanderweg hoch zur Zufallhütte. Hier muß schon teilweise geschoben werden. Zumal an diesem schönen Sonnentag ettliche Wanderer unterwegs waren. An der Zufallhütte ging es nun zur alten Gletscherstaumauer auf dem 103er mal fahrend, mal schiebend hoch und die Materialseilbahn der Marteller Hütte mit deren imposantem Wasserfall war schon zu sehen. Doch dieser Weg soll kein leichter sein – also hatte ich nun die Wahl im oder gegen den Uhrzeigersinn aufzusteigen. An Fahren ist nun nicht mehr zu denken und so wanderte das Bike auf den Rucksack und Schritt für Schritt näherte ich mich der nächsten Geländestufe kurz vor den Gletscherzungen  der imposanten Zufallspitze und Suldenspitze. Ein reger Wanderansturm – hätte ich nicht damit gerechnet. So verwehrte ich die Einkehr und nahm neben der Hütte meine Rast auf 2620m ein. Ein herrliches Panorama! Nach der Rast folgte die Arbeit. Zuerst noch ein paar Höhenmeter nach oben, dann auf dem Gletscherlehrpfad Sent. 37 zurück zur Staumauer. Alles ist nicht fahrbar gewesen. Ober Stufen, Flowabschnitte und verblocktem Terrain gings ab. Dann immer Richtung Plimaschlucht auf Trail. Hier aufpassen auf Wanderer! Ab dem Hotel Paradiso fuhr ich noch einen netten derben Steig bergab, der mich an der Staumauer ausspuckte (im wahrsten Sinne des Wortes). Für den ersten Tag ein gelungener Trailtag bei herrlichstem Wetter!

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21.07.20 Tabarettascharte (Payerhütte)

Vor manchen Touren sollte man Respekt haben und diese auch mit Respekt angehen. Immerhin reden wir hier von Hochgebirge und dabei sollte das Wetter von entscheidener Rolle sein. Nachmittags sollte es regnen. Ist das zu schaffen? Ich versuchte mein Glück und fuhr von Sulden mit der Langenstein Sesselbahn die ersten Höhenmeter empor zur Langenstein Hütte. “Aber dein Bike mußt selber halten” schalte noch der Ton des Bahnbetreibers in meinen Ohren. Ah ha – Sessellift und Bike heben ist auch eine Erfahrung für sich. Man steht dort, von hinten kommt der Sessel. Wohin mit Rucksack, wohin mit Bike? Zack und schon hebt man ab. Rucksack hinten, mit dem Po auf der Kante des Sessels weil der Rucksack hinten anstand und dann das Bike vor sich. Und der Sicherungsbügel? Halb runter und mit dem Bike verkeilt. So dann einige Minuten bergauf. LUSCHDIG. Oben dann rauf aufs Bike und erstmal ein klein wenig bergab Richtung Tabarettahütte auf Sent. 19. Dann zweigt links ein Höhenpfad ab, der noch gut fahrbar war, ehe an einem Gedenkstein das Bike wiederholt auf den Rucksack wanderte und ich bis auf 2556m zur Tabarettahütte auch gutausgebautem Weg hochwanderte. Noch hielt das Wetter, aber aus Südöstlicher Richtung waren schon Regenschleier zu sehen. Ich fragte die Wirtin, welche meinte, es könnte noch bis 14 Uhr halten. Zusammen mit einem Wanderpaar entschloss ich mich, zumindest einen Teil in Angriff zu nehmen. Hier wäre der Rückweg noch zu machen, zumal vieles teilweise schnell noch fahrbar gewesen wäre. Der Weg wurde steiler, abschüssiger und gerölliger. Teilweise hat der Regen am Tag zuvor (nachts hat´s ein Gewitter gehabt) einige Abschnitte abgeschwemmt. Auf dem Weg habe ich dann zweimal Bergführer der Sulden Bergwacht getroffen und wir hielten kurz einen Smalltalk. Überrascht waren die von mir nicht, die Tour wird anscheinend doch öfters begangen, ist aber definitiv kein Mainstream und fern von Normal! Sie meinten, das Wetter hält noch bis Drei. Also zog ich es durch. Ab der Bärenkopfscharte habe ich das meiste der Höhenmeter geschafft. Dann kam ein heikler Wegabschnitt. Ausgesetzt – auf der einen Seite Abgrund, auf der anderen Seite Fels. Einmal eine Brücke über eine tiefe Rinne, dann Seilgesichert weiter über gefühlte 300m zur Tabarettascharte weiter. Dann steht man hier – hoch über mir thront die Payerhütte auf einem Felsvorsprung mit dem mächtigen Ortler im Hintergrund. Wahnsinns Kulisse auf 2903m Höhe. Bis zur Hütte wären es noch 130 Höhenmeter gewesen und irgendwie stinkt es mir noch heute, dass ich nicht hoch bin. Aber die Zeit und der Regen lag mir im Nacken. Kurz war ich dann noch ein beliebter Fotogenosse einer “wir um die 60” Wandergruppe, die es nicht glauben wollten, was ich vorhatte, bzw. warum ich mein Bike bis hier rauftragen würde. Dann hieß es Schoner anlegen, der Payerhütte adieu zu sagen und rein in die Abfahrt. Die ersten Tiefenmeter haben es noch ein wenig in sich. Nicht zu Steil, aber rutschiger Schotteruntergrund. Aber dann folgte ein Trail, der seines Gleichen sucht. Den meisten Recherchen nach fahren viele über die Berglhütte auf  dem 18er Weg auf schwierigem S3-S4 Trail bergab. Ich bekam aber dankend einen Tipp, den 19er nach Trafoi zu wählen. Komplett einsam – kein Wanderer weit und breit und dazu ein genial flowiger Trail. Zicktausend gefühlte Kehren auf griffigem Untergrund. Sogar im Waldbereich immer noch genial zu fahren. Ein Endorfin-Orgasmus an Sahnetrailabfahrt.

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22.07.20 Fuorcla Sesvenna

Am dritten Tag war ein Tief angesagt und ein enges Zeitfenster zu absolvieren, da wieder ab Nachmittag Gewitter angesagt war. Eigentlich wollte ich diese geplante Tour im Uhrzeigersinn fahren, jedoch plante ich um und ließ mich nach Schlinig hochshuttlen. Grob gesagt: Schlinig – Sesvennahütte – Fuorcla Sesvenna und wieder retour. Danach entscheiden, was das Wetter macht. So ging es erstmal ein paar Kilometer das Sesvennatal pedalierend voran, dann bäumte sich der Weg mal sowas von auf. Wer hier noch Tritt (Biobiker), respekt. Also schob ich mein Bike am Wasserfall rechter Hand die steile Piste empor zur alten Pforzheimer Hütte und weiter an der Sesvennahütte vorbei. Noch hatte ich ein bewölktes schönes Wetter. Also Step 2 stand nichts im Weg. So legte ich mein Bike wieder in mein Tragesystem auf den Rucksack (hab´s glaube ich zum ersten Mal so richtig im Einsatz) und wanderte mit Übergepäck der Sesvennascharte entgegen. Wieder einmal sehr einsam. Vereinzelt traf ich Wanderer, größtenteils aber nur ich und die Natur. Im Grunde ging es sogar relativ gut voran, am Furkelsee vorbei auf über 2800m Höhe stand ich dann am Fuorcla Sesvenna, dem Übergang  zur Schweiz in Val Sesvenna. Ich lag noch gut in der Zeit. Also doch durchziehen und die Runde fahren? Laut der “Komplizentour” (Variante schwer) folgt darauf ein herrlicher Gebirgstrail. Rauf auf´s Bike und los – hoppla – what´s that? Wo ist der “Flow”? Ich würde sagen, die ersten Meter bergab null fahrbar. Steil, große Felsbrocken… Häh? Also wieder bergab tragend in der Hoffnung auf Besserung. Dann kurz fahrend, wieder schiebend und fahrend im Wechsel. Ein positiver Aspekt: ein Traum von einem Hochgebirgstal! Hier Kühe, da ein Gebirgsbach, Wasserfall, Schneespitzen, Murmeltiere… Wahnsinn. So verging die Zeit wie im Flug. Jetzt muß ich schauen, zurück zu kommen. Es gibt eigentlich nur zwei direkte Wege Richtung Vinschgau (Uina ausgenommen): Passo Costains oder S´charljöchl. Ich mußte ins Avingatal und für mich gab es nur eine Varinate über´s S´charljöchl direkt zu fahren, oder zu tragen. Die ersten Höhenmeter waren noch gut auf Forstweg zu fahren. Dann aber wieder eine lange Schiebeetappe zum Jöchl. Gute 500hm sind es zu machen. Dann noch ein paar Meter am Jöchl über große Felsbrocken und dann im Hyperflow auf Forstweg bergab. Das Donnern im Nacken und erste Regengüsse auf der Kleidung schoß ich gen Tal. Gerade noch geschafft erreichte ich Taufers und ließ mich dort abholen.

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23.07.20 Fuorcla da Rims

Es gibt Touren, die kann man machen, muß man nicht. Was nicht heißen soll, dass diese Tour eine schleche Wahl sei. Nur man sollte einen Top Tag haben und kräftemässig ausdauernd sein. Ich fühlte mich am vierten Tag gut und fit. Das Wetter passte bis 19 Uhr mit Sonne satt. Also wieder hoch wie am Vortag zur Sesvennahütte mit gleichen Konditionen. Nur heute waren sehr viele Wanderer unterwegs. Ab der Sesvennahütte fuhr ich nun über den Schlinigpass und dann auf breitem Pfad Richtung Uinaschlucht. Diese Strecke ist sehr beliebt und bekannt. Kurz vor Erreichen der Schlucht stopp – links ab zu einem Bach und unscheinbar einen Pfad hoch zur Fuorcla da Rims. Ab hier hieß es durchwegs über 800hm das Bike auf dem Rücken auf von Geländestufe zu Geländestufe zu tragen. Vorbei an Wasserfällen, Bächen, Schneeresten, Gebirgsseeen auf wechselndem Terrain. Meter für Meter kämpfend und kräftezehrend. “Was machst du hier? Warum? Jetzt hast es gleich geschafft” Denkste Paule! Und wieder eine lange Etappe zur nächsten Stufe. Kräfte liesen nach, die Luft dünner und der Wille war (zum Glück) noch vorhanden. Immer wieder dachte ich  mir, dort oben sitzen die beiden Steinböcke der Graubünden Werbung und machen sich über mich lustig. Ha… da muß es sein. Mein Ziel ist weit weg von mir, aber in der Ferne schon sichtbar. Also kämpfte ich mich hoch zur Fuorcla da Rims. Schon fast ironisch steht dort oben auf einer karsten Landschaft eine rote Bank. Wie eine Bushaltestelle… Ich warte auf den Bus und er kommt nicht… Nach Rast und Kraftsammeln hieß es erneut Schoner anlegen und fertigmachen für die Abfahrt. What da Hell! Zuerst wieder tiefer feiner Schotter, dann technisch über Felsenblöcke abwechselnd im Flow, ehe eine 20m steile unfahrbare Passage folgte. Ich glaube, hier hieß es am besten zu Zweit und/oder Seil zum Ablassen des Bikes. Ich hatte keine Probleme mein Bike zu balancieren und stieg im Klettermodus bergab. Dann war bis kurz vor der Laschinahütte alles fahrbar. Kurze Felsenpassage und wieder rauf auf´s Bike. Holla die Waldfee. Prädikat Top of Trails! Zick Kehren, keine Wanderer und ultra Flowmodus. Der einzige Kontrahent in dieser Abfahrt ist die Schwerkraft und die Kraft der Bremsen (und die Konzentration). Von 2900m auf 1200m auf Trail. In Scoul fuhr ich bis nach Sur En und beendete meinen Biketag (und auch meine Bikewoche im Vinschgau, denn am Freitag war Heimreise und Schlechtwetter angesagt).

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F A Z I T

Auch wenn es nur ein kurzer Bikeurlaub war, er war nötig und wieder einmal “Obersahnespitzendeluxe”. Unterkunft ideal, Standort ideal, Wetter hatte zuletzt doch positive Seiten und die Trails, bzw. die Touren waren jeden Schweißtropfen wert.

 
 
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