2018.06 TreCime Traildays

Auf den Spuren der Alpinis und Kaiserjäger

Tre Cime Lavaredo

20.-24. Juni 2018

 


Die Monti Pallidi in seiner schönsten Pracht – an einem der bekanntesten Gebirgsregion der Alpen. Die Sextner Dolomiten mit den UNESCO Weltkulturerbe „Drei Zinnen“ ist eine für Biker empfindliche Region, aber auch eine der schönsten Örtlichkeiten und hartumkämpfte Region der KuK und Alpinis. Die abenteuerlich angelegten Steige sind gänzlich für Biker gesperrt * PUNKT *. Ich wagte mich trotzdem auf einen Trailride zu den Drei Zinnen – und nicht nur einmal, sondern viermal nahm ich die Pfade unter die Stollen. Wie es war, lest hier weiter.

 

B E S C H R E I B U N G

20.6.18 Val Fiscalina e CAI102

Gezielt eine Destination sollte es diesmal sein um die jeweiligen Abfahrten unter die Räder zu nehmen. Auto abstellen und stehenlassen – dafür aus eigener Kraft (und nein, kein E-Bike) umweltschonend das UNESCO Naturschutzgebiet erforschen. Die Autofahrt ins tiefe Pustertal dauert schon eine Zeit und so ließ ich nicht viel Zeit im Hotel verstreichen. Rauf auf´s Bike und frisch, fromm, fröhlich dahingerollt. Doch Holla-die-Waldfee, von wegen dahinrollen. Gleich zu beginn Hammer auf die Mütze. Die Paßstraße hoch zur Auronzohütte beginnt mit 16% Steigung und das durchgehend bis zum Lago Antoro. Daraufhin konnte ich meine Lungenflügel ein wenig zur Ruhe kommen lassen, bis nach der Mautstelle der Berg wieder an Steigung gewann. Immer zwischen 14-16% Steigung, Kehre für Kehre bergan. Und von wegen umweltschonend – Auto an Auto im sekundentakt, von verrust bis dröhnend alles dabei. Und da ist Biken in den Drei Zinnen verboten? What a shit!!! Nach 600hm ist der erste Part erledigt und die Auronzohütte auf der Rückseite der Zinnen ist erreicht. Noch war alles im grünen Bereich und die Weiterfahrt zur Lavaredohütte auf der Ostflanke auf alter Militärpiste war easy going. Dann folgte eine kurze Steigung hoch zum Paternsattel auf dem CAI101. Bis hierher muß man mit erhöhtem Wandertourismus rechnen, vorallem mit Personen, die im alpinen Gelände keine Erfahrung haben und mit Turnschuhen oder Schlappern unterwegs sind. Unsere Asiatischen Freunde bewegen sich im Pulk und bleiben alle paar Meter stehen, um ein Foto zu knippsen. Während ich in kurzen Klamotten unterwegs war, hatten diese dicke Jacken und Handschuhe an. Auch ich schoss einige Fotos. Jetzt folgte die inoffizielle, illegale Strecke. Ich würde sagen der 101er bis zur Dreizinnenhütte ich noch mit Bike erlaubt. Das Verbotsschild bezieht sich auf die Abfahrt in Rienztal. Also leicht bergab vis-a-vis der Drei Zinnen hinunterrollen und dann wieder ein wenig bergauf bis zum Rif. Locatelli (Drei-Zinnen-Hütte). Hier hat man einen grandiosen Ausblick auf die drei Majestäten. Um mich herum Dreischusterspitze, Paternkofel, Haunold und in der Ferne die Marmorale, der Cristallo, Hohe Gaisl… um nur einige zu nennen. Ab hier ist nun wirklich Bikeverbot. Ich hatte schon ein wenig das komische Gefühl, dass mich jemand anspricht oder sogar ein Ranger mich aufhaltet. Die Strafen sind nicht ganz ohne. Aber im Gegenteil – sowas von netten Gesten. Ob Südtiroler, Italiener, Deutsche, Österreicher oder sonst noch wer – kein Problem. Kleiner Talk, ein vorbeiwinken und Danke – das sind die Zutaten für eine Miteinander am Berg. Von der Hütte aus ergeben sich nun drei logische Abfahrten. Eine kannte ich vom Dolomitencross ins Rienztal. Dann eine zur Dreischusterhütte und eine zur Talschlusshütte. Ich wählte letztere und bog auf den 102er Richtung Val Fiscalina ins sogenannte Altensteiner Tal ab. Zuerst noch sanft auf alpinen Wanderweg vorbei an kleinen Seen, dann immer anspruchsvoller über Stufen, Kehren, losem Geröll. Viel zu schnell verging die Abfahrt und schon bald erreichte ich die Talschlusshütte am Ende des Fischleintals. Tja, jetzt heißt es nochmals Zähne zusammenbeisen und in die Pedale treten, denn die 35km zurück über Sexten, Toblach und hoch zum Misurina See zehren an den Kräften, die irgendwo zwischen der Paßstraßenauffahrt, der heftigen Abfahrt und ggf. der langen Autofahrt liegengeblieben sind. Ein toller Einstieg für die kommenden Tage!


21.6.18 Büllejoch

Früh morgens scheberte der Wecker um den „kurzen“ Tag vollens auszukosten. Warum kurz? Heute hieß es für Nachmittag örtliche Gewitter und Regen. Vormittags war es leicht frisch und bewölkt, doch bei der Auffahrt zeigte sich wieder die Sonne. Wenn Engel reisen, oder? Geplannt war noch vor dem Wochenende eine „Unbekannte Abfahrt“ – total legal natürlich (ironisch gemeint). Legal war wieder die Fahrt über die Paßstraße, die Weiterfahrt zur Lavaredohütte und die Militärpiste über den Lago Cengia zur Büllejoch Hütte. Diese Strecke fuhr ich exakt schon einmal beim letzten Dreizinnenbesuch. Die Abfahrt zum Lago Cengia in Richtung Zwölferkofel ist nicht schwer, allerdings steil und grobschottrig. Daraufhin muß das Bike für 350hm bis zum Büllejoch geschoben werden. Man passiert einige alte verfallene Stellungen und einen spektakulären Holzsteig im Fels gehauen bis zur Büllejoch Hütte. Zeitlich war ich gut dran, nur leider hatte die Hüttenwirtin ein Auge auf die Wanderwege und im Südwesten sah ich schon die dunklen Wolken. Was tun? Weiterfahren und auf No-Risk-No-Fun Motto abfahren um im Regen wieder die 35km von Sexten nach Misurina abzustrampeln oder den Hinweg zurücknehmen? Ich unterhielt mich mit ein paar Wanderer, die vom 103er hochkamen und sie sagten, dass auf dem Weg stellenweise noch Schneefelder gekreuzt werden müssen. Das war dann ein Hinweis zur Vernunft. Eigentlich wollte ich über den 103er zur Zygmondy Hütte und runter in Val Fiscalina abfahren. Ich fuhr allerdings den Anfahrtsweg zurück und war dann froh, als ich kurz nach Hoteleinchecken vom Regen verschont wurde. Trotzdem eine legale Variante und schönes Panorama. Diese Tour steht außerhalb der Saison nochmals auf dem Programm 😉


22.6.18 Tre Scarperi e CAI105

Tag Drei und schon wieder Tre Cime – oh je und schon wieder die Straßenauffahrt, die Kreuzung zur Lavaredo und Dreizinnen Hütte. Kurz gesagt: Wetter perfekt und eine neue Abfahrt auf dem Plan. Die Vorspeise zum „Hauptgericht“ muß eben gegessen werden. Also nochmals die Strapazen bis zur Dreizinnenhütte. Heute perfektes Wetter und beste Sicht auf die Drei Zinnen. Das dachte sich auch ein Filmteam, das mit dem Heli auf der Dreizinnenhütte war. Man bemerkte auch das kommende Wochenende: viel mehr Leute waren heute unterwegs. Doch meine Abfahrtsvariante verhieß Einsamkeit. Ich glaube ich habe max. fünf Personen auf der Abfahrt angetroffen (oder waren es weniger?). Von der Dreizinnenhütte gehts erstmal zurück und dann Richtung Nordwest auf den 105er zur Dreischusterhütte. Anfangs auf ebenen schmalen Trail, dann ein kurzes Stück hoch zum Joch und dann auf heftigen Trail zwischen Dreischusterspitze und Haunold bergab. Oben noch gut auf alpinen Gestein zu fahren. Leicht ausgesetzt und griffiger Boden. Dann mit Felsstufen, Bohlenstufen und -steigen, engen Kehren und gerölligen Boden bergab. Im unteren Bereich dann mit umgefallenen Bäumen und ganz engen Kehren. Die Wanderer im Innerfelder Tal staunten nicht schlecht, als ich daher kam. Gut gestärkt nach einer Rast in der Dreischusterhütte trat ich meinen bekannten Rückweg zum dritten Mal an. Die Schwierigkeit der Trails nahm von Tag zu Tag (bis auf Büllejoch) zu.


23.6.18 Val Marzon e CAI1107

Tag Vier und ich habe ein  Déjàvu. Schon wieder die gleiche Strecke? Mittlerweile kenn ich jede Kehre, merke jedes Prozent Steigung und habe denselben Tretrhytmus wie die Tage zuvor. Bis Lavaredohütte wieder unverändert. Sogar einen Teil von Tag 2 wiederholt sich bis unterhalb des Lago Cengia. Doch diesmal folgte ein Kamikaze-Trail ins Val Cengia Richtung Val Marzon. Auf der Hochebne schlängelt sich der 1107 noch harmlos flowig, ehe er abrupt in die Tiefe abbricht. Ein schmaler Steig in gefühlten hundert Kehren. Immer den Abgrund im Auge durch einen schmalen Schlund. Dazu noch gerölliger Untergrund. Leider hat die Vegetation die Monate zuvor dem Weg sehr zugesetzt. Viele kindskopfgroße Felsbrocken versperrten den Weg. in der Hälfte der Abfahrt versperren dann Latschenkiefern den Weg und greifen zum Abstieg. Hier mußte man enorm aufpassen. Und es wurde noch „schlimmer“: das untere Viertel wäre richtig flowig, wenn da nicht die Hänge der aufragenden Berge (Monte Cengia) abgegangen werden und den Weg weggerissen hätten. Ein reißender Bachlauf mußte mehrmals überquert werden. Im Val Cengia angekommen wollte ich die klassische Cadini Runde über den Sentiero 121 abschließen und die 800hm noch in Angriff nehmen. Doch wie´s der Teufel will war auch dieser Weg wegen Reparaturarbeiten gesperrt. Ich traf auch leider niemand an, um mich über den Zustand zu informieren. Also was tun? Ich fuhr ab ins Tal und folgte der Radroute (allerdings auch herrlich) um die Cadinigruppe und unter der Marmolale/Sorapis Gruppe zurück nach Misurina. Der letzte Anstieg hoch nach Misurina hatte es dann allerdings nochmals mächtig in sich. Im nachhinein würde ich die klassiche Cadini Runde mit der Lavaredo Supertrailabfahrt bevorzugen. Aber ich komme wieder – das ist klar.

 
 

F A Z I T

Hammer-Traildays mit Bikebergsteigen – und es gibt noch viel mehr solcher Steige um die Drei Zinnen. Minimum fünf habe ich noch auf meiner Liste und hier sprechen wir nur von dem Drei Zinnen Plateau. Hier gibt es noch die umliegenden Berge (Monte Piana, Dürrenstein, Hohe Gaisl, usw.) die auch sehr geniale BBS-Touren parat stellen. Ich liebe die Dolomiten, Südtirol und deren Charme, nicht zu schweigen von deren Köstlichkeiten. Jedesmal eine Reise wert und mit Rücksicht und Anpassung der Reisezeit auch gut machbar. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Unterkunft Albergo Miralago (Misurina), was idealer Ausgangspunkt für diese Touren war.

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