2019.07 Trailen im Friaul

Trails abseits des Mainstreams

FRIAUL 2019

Venzone/Moggio Udinese

13.-18. Juli 2019

 


Mal was ganz anderes, zumindest für mich… schon lange plagte mich das Verlangen an den äußersten Nordosten von Italien zu reisen. Die Julischen Alpen zwischen Österreich, Slowenien und Italien sind ein Kleinod für uns Biker. Die Wege sind rauh, die Landschaft bezaubernd, das Klima perfekt, Biker und Wanderer kommen sich seltenst in die Quere und falls doch, war alles sehr freundlich und unterhaltsam, Wildtiere und seltene Pflanzen, dazu noch Steige aus dem KuK Krieg, die für uns Biker einfach genial und abenteuerlich sind. Nichts Mainstream, geshaped oder (mit Ausnahme von Sella Nevea Lift) mittels Shuttle angefahren wird. Jeder Zentimeter ist mit Arbeit und Schweiß zu verdienen.

B E S C H R E I B U N G

2019.07.13 Monte Flop 437 Grauzaria

Kaum am Hotel angekommen, stand die erste Tour an. Also ließ ich mich nach Dordolla hochfahren, um die Straßenkilometer zu umgehen und Zeit zu sparen. Die ersten Meter gingen noch auf Asphalt, später auf steilem Beton und dann auf Forstweg schnell voran. Nach ca. 650hm war Schluß mit Fahren und das Bike wanderte auf den Rucksack. So ging es noch gute 400hm Tragend und Schiebend bergauf. „Vorsicht vor Schlangen“ warnte ein Schild vor der Tragepassage im unteren Bereich. Zum Glück mußte ich keine erblicken. Unterhalb des Monte Flops kreuzt man noch kurz einen gutgehbaren ausgesetzten Steig, ehe man den Scheitelpunkt erreicht. Den Gipfelsturm ersparte ich mir und legte die Protektoren an. Jetzt heißt es Kette rechts, entspannte Haltung einnehmen und fettes Grinsen. Teils ausgesetzt, ein paar Serpentinen später steht man am Abzweig zum CAI437 Richtung Rif. Grauzaria. Zuvor wäre der Mountainbike Abzweig gewesen, den ich leider verpasste. So war der Wandersteig doch ein wenig anstrengender und teilweise mußte ich doch schiebend vorankommen. Am Rifugio wurde ich freundlich empfangen und nach einem kleinen Plausch mit dem Wirt gings dann weiter Richtung Tal. Eine kurze Geröllquerung später hieß der Devise nur noch bergab. Viel zu schnell erreichte ich dann ohne den Umweg über Fassoz die Asphaltstraße und rollte mit Gegenwind zurück zum Hotel. Ein gelungener Einstieg.


2019.07.14 Kanin CAI 636

Diesmal standen zwei Touren an einem Tag an. Also früh aus den Federn und mit dem Auto nach Sella Nevea Richtung Osten in das naheliegende Kanin/Montassio Gebiet. Dort habe ich mir insgesamt drei ToDo´s rausgesucht. Zwei wollte ich zusammen an einem Tag machen. Die Gondel erspart einem für 8 Euro den Aufstieg und nach 10 Minuten stand ich schon am Rif. Gilberti. An Bergauffahren war nicht zu denken, zumal der erste Part links hoch zum auf der Schutthalde der Skipiste zum Forc. Prevala ging. Also wieder Tragen und Schieben. Der Anstieg von 350hm geht aber relativ schnell von statten. Nach Panoramakur legte ich meine Schoner an. Jetzt fuhr ich den CAI636 – ein alter Militärsteig, der seines gleichen sucht. Zuerst noch am Hand querend über loses Gestein, dann immer besser fahrbar schoss ich gen Tal. Dabei quert man häufig angelegte Steinpfade der Alpinis und Baracken. Immer wieder tauchen Schlüsselstellen auf und das lose Gestein gähnt nach einem Sturz, der mir verwährt war. Nach ettlichen Kehren und durchgerüttelten Gelenken erreichte ich das Tal und kaufte mein zweites Ticket.


2019.07.14 Kanin Cross Extreme

Part Two: Jetzt hatte ich eine Monsterunternehmung vor. Vom Rif. Gilberti den kompletten Kaninstock längs überqueren. So legte ich mein Bike auf den Rücken und trug es hoch bis zur Sella Bila Pec unterhalb des gleichnamigen Bila Pec Gipfels. Ein altes Fort aus Kriegszeiten ist der Beginn einer langen Etappe. An Fahren war selten zu denken. So schob und trug ich in einer einsamen kargen Steinlandschaft mein Bike über Geröll, sehr ausgesetzten Nachschubwegen und Schneefeldern. Die ersten Schneefeldquerungen waren noch freigeschaufelt, die weiteren nur noch sulzige, schmierige Pfadspuren im Schnee. Vorsicht war auf der kompletten Route geboten. Und wenn das nicht reicht: genau in der Mitte meiner Route gesellte sich noch ein schönes Hitzegewitter aus dem Süden dazu, das schon bis nach Bovec (also sehr nahe!!!) mit Regen, Donner und Blitzen näher kam. Übernachten im Biwak? Abfahrt auf unbekanntem Weg, zurück oder weiter? Was nun? Eine Herde Gämsen staunte nicht schlecht. Da eine Gruppe Wanderer auch noch unterwegs war, dachte ich mir, dann auf und schnell weiter. Vorweg: Ich hatte Glück und war dem Gewitter sprichwörtlich einen Schritt voraus. Die grobe Routenführung war eben von Sella Bila Pec über Biv. Marussisch, Sella Grubia, Forc. Terrarossa, Sella Buia und Rif Igor Crasso. Das Stück von Sella Grubia zum Rif. Crasso war ein sehr schmaler Wiesenpfad an abschüssigem Gelände. Mit dem Gewitter im Rücken und letzten Kraftreserven ging es glücklicherweise schnell gen Tal. Das Stück von Rif. Crasso bis Stolvizza ist ein flowiger Waldweg. Im Tal war es sonnig und dampfend. So ging ein harter Tag vorrüber und ich war froh über das klimpfliche Ende.


2019.07.15 Passo Scalini

Am Tag drauf ging es nochmals ins Montassio Gebiet. Diesmal stand die gegenüberliegende Regio auf meinem Bikemenü. Von Sella Nevea ging es erstmal ein paar Tiefenmeter Richtung Osten bergab, ehe ein Forstweg Richtung Rif. Guido Corsi abzweigt. Die Hälfte der Strecke sind noch „fahrbar“, aber extrem steil. Dank meines 52er Ritzel am absoluten Kipplimit von 24% Steigung erreichte ich mein erstes Zwischenziel an der Malga Grantagar. Dort biwaktierten ein Teil von Soldaten, der andere Teil hatte Gipfeldienst mit Überquerung der Montassio Gruppe. Ein netter Plausch mit dem Hauptmann und kurzem Kartenstudium später schob ich zuerst noch mein Bike auf dem CAI 628, dann aber wieder tragend Meter für Meter bergauf. Ein netter Wanderer unterhielt sich kurz mit mir und gab sogar noch Tipps für weitere Touren. Sowas im heimischen Voralpengebiet? Neee, oder? Nach 350hm erreichte ich mein Ziel: der Passo Scalini mit seinem namenlosen Gipfel auf einer Seite und unterhalb des mächtigen Monte Cregnedul. Mächtige, zackige Berge um mich herum. Gegenüber trohnt das Kanin. Ettliche Bilder verbandte ich auf die Chipkarte und legte nach einer rast meine Schoner an. Jetzt hieß es bergab auf flowigen Trail – nun, ja – ganz so flowig war er nicht. Aber niemals gefährlich. So erreichte ich die Malga Cregnedul. Meine Route führte mich statt der vorgegebenen Route trotzdem noch Richtung Rif. Brazza und Malga Montassio, da ich ein gutes Bauchgefühl für einen weiteren Trail hatte. Dem wurde ich zurecht belohnt. Der CAI622 ist ein heftigst geiler Abfahrtstrail. Einmal mit ausgesetzter Gratquerung, schmalem Felsenweg und gerölliger, steiler Kehrenabfahrt, dann wieder super flowig. Ein Traum!!!


2019.07.16 Chiavals Cajusut

Am vorletzten Tag ging es von Moggio mit dem Auto ins Val Alba bis zum Wanderparkplatz. Allein die Autofahrt ist schon nicht übel. Eine schmale Bergstraße – kaum Platz für ein entgegenkommendes Auto. Vom Parkplatz erkämpfte ich wieder tretend das Talende. Vorbei am Rif. Vault über Forstwege und weiter auf Beton bis zum Osp. Vault ging es noch zu fahren. Dann weiter schiebend und tragend auf CAI425 bis zum Abzweig CAI422. Dort ging es weiter tragend auf dem CAI425 Richtung Monte Chiavals und Creta dai Rusei. Eigentlich wollte ich den Monte Chiavals queren und über Biv. Bianchi abfahren. Aber der Weg war dann für eine Solotour doch zu „xtreme“. Ich weiß leider nicht, ob er doch gegangen wäre. So trug ich bis zum Fort unter dem Cima della Vacca. Zurück ging es auf dem selben Weg bis zum Abzweig CAI422 mal fahrend mal schiebend. Ein klein wenig enttäuscht war ich schon und blicke ettliche Male zurück. Suchte auf dem Kamera im Zoommodus den Wegverlauf zum Monte Chiavals. Für heute war es vielleicht doch die richtige Entscheidung? Aber weil der Tag noch jung war, trug ich mein Bike noch auf dem 422er hoch um den Cajusut Trail unter die Stollen zu nehmen. Kurz: alles richtig gemacht. Genialer Trail über ettliche Kehren, super Panorama Blick in alle Richtungen und da war es wieder: das Glücksgefühl.


2019.07.17 Forc. Nuvirnulis Extreme

Viel will ich über diesen Tag nicht schreiben. Diese Tour hätte ein super Prädikat bekommen, wäre der Weg nicht so schlecht gewesen. Die Runde startete wie am ersten Tag von Dordolla aus zum Monte Flop bis Abzweig Rif. Grauzaria. Die Höhenmeter kamen mir schwerer vor, da bereits ettliche heftige Touren der Vortage in den Beinen lagen. Dann zweigte eine auf und ab Pfad zur Forc. Nuvirnulis ab. Auch alles kein Problem. Auch der Aufstieg war gut gehbar. Doch dann folgte ein Kamikaze Unternehmen. Der Weg durchs Val Glagno hatte seine beste Zeit hinter sich. Er war kaum sichtbar, zugewachsen mit hohem Gras, Laub oder Geäste. Bäume lagen entwurzelt über den Weg, Geröll lauerte unter der Grasdecke auf einen „Hosenlupf über den Lenker“ und teilweise war der Weg nicht mehr vorhanden. Murenabgänge, Felssturz  –  alles sorgte für Abwechslung. Kaum fahrbar. Und dann folgten ettliche Bachquerungen. Mal über Brücken, durchs Wasser stampfend mit triefenden Schuhwerk, dann über seilgesicherte Welswände überhalb des Flusses. Ein Alptraum! Und wen das noch nicht geschlagen hat: das ständige auf und ab durchs Tal zehrt an den Kräften. Dann glaubt man Moggessa endlich erreicht zu haben und eine Abfahrt vor sich zu haben – wird man schon wieder enttäuscht. Wieder bergauf/-ab schiebend  und tragend. Ich war am Filter. Und wie kann´s noch schlimmer werden? Von Norden donnerte es bereits. Völlig erschöpft erreichte ich das Talende. Ein GRAUZARIA Tag und ein FLOP. Aber auch das gehört dazu.


2019.07.16 Chiavals Cajusut

Nach“

F A Z I T

Diesmal passte einfach alles – so habe ich mir das Gebiet der Julischen Alpen vorgestellt und ich war begeistert. Das Wasser ist wirklich so klar und türkis, die Berge so rauh und doch wieder lieblich wie im Trentino, Bruno´s Bruder blieb mir zum Glück erspart und die Trails einfach genial, wenn auch anstrengend. Diese Region sieht mich noch öfters! Die nächsten Pfade wurden schon erspäht und Touren zusammengetragen. Geschenkt wird hier niemand was – das ist alles mit Arbeit und anschließender Belohnung zu verdienen. Wenn auch manchmal sehr abenteuerlich und nicht alles fahrbar.

 
 
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