2016.07 San Martino – Alleghe

20160714-151420-00564-_DSC1940_Screen.jpg

San Martino/Alleghe

Falcade – Belluno

11.-15. Juli 2016

Logo Belluno province SanMartino_Logo  logo-falcade

„Wenn jemand auf die Reise geht, hat er was zu berichten…“ – Also legen wir mal los: „Schea war´s!“ ENDE.
So kurz würde der Bayer es ausdrücken. „Schoa g´schwätzt.“. Seilbahn plus Trails hoch Landschaft ist gleich Spaß. Eine Gleichung, die jeder Biker leicht versteht. Also mal ab in ein landschaftliches Juwel der Dolomiten.

B E S C H R E I B U N G

11.7.2016 Crepe Rosse

Oft darf es auch Genuss pur sein. Es gibt landschaftlich schöne Routen, und es gibt fahrtechnisch Spannende. Diese hier vereint beide Pole zu einer einzigen, lohnenden Tour! Die Zutaten: die Schlucht Serrai di
Sottoguda, ein Hammerpanorama zur Marmolada und eine klasse Abfahrt über Militär-Tails, die Biker noch lange schwärmen lassen werden. Schon bei meiner Vorplanung war klar, dass am Anreisetag noch eine kleine aber feine Runde Pflicht ist und auf dem Weg nach Falcade liegt der Pass Pordoi mit der mächtigen Sellagruppe im Rücken. Das Wetter passte und versprach stabile Lage bis Abends. Also über den Pass Pordoi gings mit dem Auto erstmal runter nach Savinei. Von dort gleich den Untersatz getauscht und bergan. Das erste Highlight lies nicht lange auf sich warten: Die Schlucht von Sottogunda – eine Straße durch eine solche Schlucht zu bauen fällt auch nur den Italienern ein. Danach folgen noch ein paar Höhenmeter bergauf auf der Passstraße Fedala und den letzten Anstieg zum Rif. Pass Pardon absolvierte ich mit dem gemütlichen Sessellift. Die meisten kennen den Pass Pardon von der Weiterführung des Bindelwegs und der Sellaronda. Hier hat man eine herrliche Sicht auf die Marmolada. Der Weiterweg ist gut ausgeschildert mit dem Crepe Rosse Trail Wegweiser. Dieser führt entlang der Flanke des Monte Padon rüber zum Crepe Rosse und dann weiter auf Schotterpiste bis Rif. Migon und dem Parkplatz Ronch. Dann kommt der zweite Trailabschnitt bis Savinei. Prädikat sehr gut und flowig. So können die folgenden Tage weitergehen.


 

12.7.2016 Col dei Baldi – Forc. Ambrizzola – Averau – Strada della Vena

Diese Tour ist eine Kombination aus mehreren Tourenklassikern der Alleghe Region. Um diese Tour an einem Tag zu bewältigen benötigt man mächtig Muskelkraft und/oder eine kluge Planung mittels der regionalen Beförderungsmitteln. Hier geht wieder die Gleichung mit Lift und Spaß auf. Ich hatte extra den Wetterbericht am Vortag nochmals gecheckt um keine böse Überraschung zu erfahren. Wetterumschwung wurde für abends angekündigt. Von wegen: Von Alleghe ging es mit dem Lift hoch zum Col del Baldi um die Trailabfahrt Richtung Casera Vescova unter die Stollen zu nehmen. Dann gings weiter zum Passo Staulanza und von dort hinab bis zum Wanderparkplatz am Fuße des Monte Pelmo. Eine senkrechte Wand vor meinen Augen. Dann in angenehmer Steigung auf Schotter hoch zum Rif. Citta di Fiume. Doch dann kam es, wie es kommen mußte. Ich hörte bereits lautes Donnern aus der Ferne und kurz vor dem Rifugio ein Wolkenbruch. Zusammen mit ein paar Wanderer suchte ich Schutz unter dem Pavillion vor der Schutzhütte. Heftiger Regen und Wind tobten um uns und nur ein paar Meter trennten uns vom sicheren Eingang. Im Spurt einen kurze Regenpause abgewartet und rein ins warme Schutzhaus. Hier wartete ich eine gute Stunde und plannte schon die Alternativroute, falls der Weiterweg heute nichts mehr wird. Nur blöd, dass man um den kompletten Col Del Baldi rumfahren muß um nach Alleghe wieder zurückzukommen. Doch dann hatte der Wettergott ein Einsehen und Sonnenstrahlen waren wieder zu sehen. Zumindest hoch zur Forcella Ambrizzola wollte ich, um gerade diesen herrlichen Höhepunkt heute zu erleben. Zurück könnte ich ja immer noch, falls es wieder schlechter wird. Eine kurze Schiebepassage vom Rifugio hoch, dann weiter auf einem sandigen flowigen Höhenpfad ehe eine letzte Steigung über verblockte Wege nochmals zum Schieben und Tragen die Kraftreserven nochmals gefordert haben. Normalerweise ist dies ein beliebter Übergang von Süden nach Norden für Alpencrosser, welche Richtung Monte Grappa unterwegs sind. Glücklicherweise war ein paar Tage vor meinem Urlaub die aktuelle BIKE in meinem Briefkasten und als Lieblingstour von Matthias (TrailXperience) angepriesen. Er folgt dem Weg von Süd nach Nord. Absolut zu bestätigen und die besser Wahl. Abgesehen vom Tragen/Schieben eine super Highspeed-Trailabfahrt auf losem Schotter bis zum Rif. Croda da Lago. Am selbigen biegt links am Ufer des Sees der Pfad ab und folgt über ruppigen Wurzelpfad bis zur Staustufe kurz vor Pocol hinunter. Kurz vor der Passstraße Giau muß man das Bike nochmals schieben. Da ich einiges an Zeit verlohren habe und schon wieder dunkle Wolken sichtbar waren, fuhr ich ein paar Meter runter nach Pocol und nahm den Bus hoch zum Falzarego Pass. Eigentlich wären das noch schöne Höhenmeter auf Asphalt, aber die Zeit drängte. Oben dann schnell ein Ticket gelöst und den Lift zum Rif. Averau und den Cinque Torri genommen. Super Panorama – ein 360 Grad Landschaftsporno wenn man das so sagen darf. Nur leider wurde es windig und düster und es blieb leider zu wenig Zeit hier zu verweilen. Schnell gings weiter am Rif. Averau vorbei. Hier hätte sich der Umweg zum Rif. Novulau, der ältesten Schutzhütte der Dolomiten direkt am Felsvorsprung, gelohnt. Doch ich fuhr schnell das letzte Trailintermezzo nach Alleghe ab: Die Strada della Vena. Zuerst einer Hangquerung auf schmalen ausgesetzem Weg, dann über flowige Wiese und Waldpfad im Highspeed unter Regenschauer Richtung Livinallong die Col di Lana weiter. Die letzten Kilometer nach Alleghe war dann nicht mehr trocken zu schaffen und die Schuhe waren voll mit Wasser. Trotzdem war ich froh, diese Tour komplett geschafft zu haben. Ein Highlight meines Urlaubs.


 

13.7.2016 Valbona Trails

Heute sagte der Wetterbericht das schlechteste Wetter voraus und trotzdem sollte es bis Nachmittag stabil sein. Die Betonung liegt auf sollte! Von San Martino gings als erster Step mit der Gondel zum Rif. Tognola hoch. Die ersten Tiefenmeter bis zu einer Malga geht auf der Skipiste bergab, dann folgt schon der erste Rüttelpfad. Ein grobgepflasterten Karrenweg verlangt schon ein wenig Vorsicht, damit man nicht mit dem Rad zwischen den Steinplatten hängen bleibt und über den Lenker geworfen wird. Dann folgt eine Bachquerung und eine erste Auffahrt Richtung Forcella Valbona. Kurz vor der Malga Valbona war es dann wieder so weit. Heftiges Gewitte rund starker Regen durchnässten mich und ich war froh, als ich die Malga Valbona erreichte. Wieder ein vorangekündigtes Ende der Tour? Ein Hirte gewährte mir Unterstand in seiner Schafhütte. Nach einer dreiviertel Stunde war der Spuck dann vorbei und ich konnte den Weg vorsetzen. Ab der Malga hieß es aber erstmal Schieben. Die Wegführung war teilweise schlecht ersichtlich, doch mit GPS kein Problem, zumal man den Übergang von Weitem schon sehen konnte. Nach der Überschreitung der Forc. Valbona heißt es Schoner anziehen und über flowige Wege bergab nach Cicona. Wieder ein Zwischenstück geschafft, doch schon kündigte sich das Gewitter wieder an. Also schnell eine Entscheidung getroffen und auf Asphalt bis Gobbera weiter. Ab hier fand ich einen schönen Wanderweg bis Mezzano und dann auf dem Radweg weiter nach Primiero. Die Rückfahrt nach San Martino machte ich wieder mit dem Bus (was eine sehr gute Wahl war, da es in der kurzen Trasse zurück heftigst regnete).


 

14.7.2016 Col Margherita – Alto Pala

Endlich stabile Wettervorhersage! Das war der Startimpuls für das Highlight meines Urlaubs. Eigentlich plante ich zwei Tage dafür ein und wollte auf dem Rif. Rosetta auf dem Palagebirge übernachten. Aber heute schmiedete ich dann kurzer Hand doch andere Pläne. Über Nacht hat es geschneit und von meiner Unterkunft konnte ich die weißen Gipfel am Morgen schon sehen. Das Auto mußte heute stehen bleiben, denn die Mammuttour wollte ich komplett mit dem Bike zurücklegen. Von Falcade gehts auf der Straße des San Pellegrino hoch zum Pass. So wurden die Muskeln schon mal warm, was bei den Frosttemperaturen auch notwendig war. Dann schnell hoch zum Col Margherita mit der Seilbahn. Von hier hat man wieder eine 360 Grad Aussicht auf die Pala, den Monte Mulaz und der Rückseite der Marmolada. Über eine Schotterpiste gehts rasant runter dum Passo Valles und dann über die Passstraße bis zur Abzweigung ins Venegiatal. In angenehmer Steigung und festem Untergrund geht´s am Rücken des Mulaz hoch zum Rif. Segantini. Weiter ab hier über einen Trail bis Passo Rolle und über einen Trail bergab nach San Martino. Hier schnell rein in die Gondel und auf 2700m hoch zur Gipfelstation der Pala. Senkrecht ragt die Palagruppe über San Martino empor. Absoluter Hammer! Wie eine Mondlandschaft im kargen Dolomitgestein gehts auf einem Militärpfad bergab zum Rif. Rosetta. Nun mußte der Energiespeicher gefüllt werden und ein Teller Pasta mit anschließender Sachertorte kam gerade richtig. Jetzt folgte eine einsame Trailabfahrt die seines gleiches in den Dolomiten sucht. Über grobes Gestein auf Militärweg und teils ausgesetzen Passagen geht es immer leicht bergauf und bergab hinunter. Immer der Beschilderung nach Gares folgend. Dann plötzlich der Umschwung und der steigige Untergrund wechselte sich mit sandigem Pfad und engen Serpentinen ab, welche aber ohne Umsetzen des Hinterrads gut zu fahren waren. Von 2700m runter auf 1300m – komplett auf Singletrail ohne eine Menschenseele. Die letzen Kilometer durch das Garestal nach Canale waren dann Erholung pur. Da machten die letzen Höhenmeter zurück nach Falcade auch nichts mehr aus. Dieser Tag war das absolute Highlight! Und das beste daran: Ich war nicht K.O.!


 

15.7.2016 Col di Lana

Letzer Tag und Abreisetag. Früh morgens checkte ich aus und fuhr zurück Richtung Livinallongo um den Col di Lana Runde zu fahren. Der Col di Lana war Schauplatz eines der größten Gemetzel des Gebirgskrieges in den Dolomiten. Die Spuren sind unübersehbar. Doch diese Mountainbike Tour lohnt nicht nur für Geschichtsinteressierte. Schon auf dem ersten Teeranstieg von Livinallongo weg geht es ordentlich steil zur Sache. Der folgende Militärweg lässt dann eine Verschnaufpause. Am Ende des gepflasterten Wegs wartet eine kurze Schiebepassage. Dann quert der Teriòl Ladin als Singletrail den Plan de la Mina. Der Trail ist zwar nicht steil, verlangt aber trotzdem ordentlich Druck auf dem Pedal. Zudem verlaufen einige Passagen zu Beginn etwas ausgesetzt. Ab dem Siefsattel wird es weniger knifflig, jedoch bremst Geröll etwas den Flow. Die Abfahrt über Le Pale ist steil und ausgesetzt, wenn auch an sich nicht zu schwierig. Wer hier stürzt, wird aber Probleme mit dem Anhalten bekommen. Ab den Ciamplò-Wiesen quert der Trail dann die Bergflanke und verläuft wesentlich flacher. Das größte Problem an dieser Runde war, dass ich den Großteil schieben mußte. Der Trail war leider stark ausgetreten und ich blieb immer wieder mit den Pedalen hängen. Außerdem ging ein heftiger Wind hier oben und die Wegführung wurde teilweise immer schlechter. Die Wiesenabfahrt war dann blanker Horror: Von wegen fahrbar. Rutschiges Gras, schlecht sichtbare Wegführung und Bergrutsch verschlechterte den Fahrfluß. Also mußte ich den Großteil der Trails schieben und Tragen (bergauf/bergab). Nur die letzen Tiefenmeter waren wieder fahrbar. Trotzdem bekommt die Runde eine gute Note, da das Panorama alles entschädigt. Immer wieder die impolsante Sicht auf Marmolada und Sella. So schnell waren die fünf Trailtage vorbei.


Noch ein Tipp zur Unterkunft:

GarniValdan

http://www.hoteldolomitifalcade.it

http://www.hoteldolomitifalcade.it

F A Z I T

Die bleichen Berge der Dolomiten sind einfach die schönsten Berge der Welt – davon konnte ich mich wieder überzeugen. Meine Unterkunft war freundlich, die Restaurants wie immer lecker und das Panorama samt deren Singletrails ein Highlight nach dem nächsten. Man muß halt auch bereit sein, seinen inneren Schweinehund bei schlechtem Wetter zu überwinden und hier und da mal sein Bike zu tragen. Dafür erhält man ein unvergleichliches Erlebnis!

Share

Kommentare sind geschlossen.