2016.06 Gardasee Arco

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Lago di Garda 2016

15.-19. Juni2016

InGardaTrentino

Wie ein Magnetpol zieht es jedes Jahr tausende Deutsche an den Gardasee – auch ich war einer von vielen. Man könnte meinen, Arco, Riva del Garda und Torbole liegen alle zusammen und vereinen den Biketourismus, aber wie ich feststellte, waren in Arco zu diesem Monat mehr Wanderer und Kletterer unterwegs, als wir Mountainbiker. Auch sprachlich kommt in Torbole oder Riva mit Deutsch sehr gut zurecht, während hier in Arco überwiegend italienisch gesprochen wird. Arco ist ein typisch altes Städchen mit der Burg von Arco als Blickfang. Ganz in der Nähe schlugen wir unser Quartier aus (Hotel Villa della Rose). Die Wetterprognose für die fünf Tage war durchwachsen – was aber in der Gardasee Region nichts heißen muß. Kurzum: Vergesst die Wetter-Apps! Im Grunde hatten wir jeden Tag Top Wetter. Abends zogen die Wolken von Westen und Osten über uns und leichte Gewitter bildeten sich, während unter Tags meistens Sonnenschein und Schwüle angesagt war. Also: Trotz meinen Knieschmerzen startete ich mein Gardasee-Trailride – zum ersten Mal unter dem Schirm des neuen Trailgesetzes im Trentino.

B E S C H R E I B U N G

ARCO – NORD LAGO DI GARDA

15.6. Bocca di Dromaé

Anreisetag. Bei unserer Ankunft konnten wir die Zimmer noch nicht beziehen – fing ja schon gut an. Aber nicht schlimm. Das Kribbeln nach Trails war da und eine Einstiegstour sollte her. Wetter gut, Bike aus dem Van gepackt, noch kurz die Bikeklamotten angezogen und schon ging los. Eigentlich war ja der Monte Velo Freeride meine Anreisetour. Doch es hat am Vortag geregnet und ich habe gelesen, dass man diese Tour nur unter trockenen Bedingungen unternehmen soll. Mein eigenes Shuttleunternehmen (Eltern) zögerte nicht lange und verkürzten mir den Uphill hoch zum Ledrosee, da die heutige Tour so nicht mehr machbar gewesen wäre. Im Buch „Dolomite Trails Bd.2“ fand ich auch schon mein Tagesziel: Bocca di Dromaé. Kenn ich doch, oder? Die Auffahrt bis zum Rif. Pernici kannte ich schon. Der Weg führt am westlichen Ufer des Ledrosee hoch über die Bocca di Trat zum Rifugio Nico Pernici, welche ich bei der Adrenalina DH Strecke schon gefahren bin. Vorteil dieser Unternehmung ist, dass bis zur Malga Trat alles auf Teer bei durchschnittlich 10 Prozent Steigung im Schatten gefahren werden kann. Die letzten Meter sind dann in angenehmer Steigung auf Forstwegen zurückzulegen. Das Rifugio liegt herlich mit einer super Aussicht und lädt zum Verweilen ein. Ich mußte mich allerdings sputen, da die dunklen Wolken von Westen schon heranzogen.

Die Querung vom Rif. Pernici zum Bocca di Dromaé ist nicht wirklich „flowig“. Der schmale Pfad am abschüssigen Gelände ist recht anspruchsvoll und immer wieder mit Schiebestücken versehen. Nichtsdestotrotz muß man da durch und ab der Malga Dromaé lässt der Schiebeanteil nach, was allerdings nicht heißt, dass es leichter wird. Die ersten Regentropfen polterten auf meinen Helm – also schnell weiter talwärts Richtung Ledrosee. Der folgende Abschnitt ist ein herrlicher Trail durch den Wald. Immer wieder mit Wurzeln und Steinen versehen. Die Originalroute wäre zum Ende auf Forststraße zu befahren. Ich wählte den direkten Weiterweg auf dem Sent. 453 Richtung Ledrosee. Genial und richtige Wahl. Am Ledrosee erstmal ein Grinsen und Ausschütteln der Unterarme. Die Rückfahrt nach Arco fuhr ich auf der Ponale-Auffahrt, welche die Klassische Strecke des Tremalzo-Uphills ist. Zum Glück mit wenig Gegenverkehr schoss ich runter und verfehlte sogar eine Abzweigung. Tja, somit befand ich mich auf dem alten holprigen Karrenweg auf der Pregasina Seite der Schlucht. Ab Bellavista fuhr ich wieder auf der Standardroute und nahm die spaßig angelegen Pumptracks entlang der Ponale mit, bis mit der „Flow“ in Riva del Garda ausspuckt. Schon lässig, wenn man mit Protektoren am „Stachus“ von Riva entlang fährt und von jedem „gecheckt“ wird. Nach Arco gings dann über Nebenstraßen und Radweg. Tolle Tour – kann ja nur noch besser werden! Und: das Knie macht mit!


 

16.6. Wandern: Burg von Arco und Pianaura Höhlen

Der Wetterdienst sagte Regen für den ganzen Tag voraus – was für ein Schmarrn, was ich feststellen mußte: Ich habe mich heute entschlossen meine Wanderstiefel anzuschnüren und mit auf Wandertour zu gehen. Wir wollten die Burg von Arco besichtigen. Diese trohnt auf einem Fels gute 100hm über Arco und dem Sarcatal. Ein idealer Platz zur Sichtung von Feinden.

„Im spanischen Erbfolgekrieg konnte der französische General Vendôme das untere Sarcatal besetzen und belagerte auch die Burg. Nach heftigem Bombardement kapitulierte die Besatzung schließlich im August 1703. Danach verfiel die Burg schnell und auch die Burggrafen von Arco verließen den Ort und teilten sich später in einen bayrischen und einen in Mantua ansässigen Zweig. Im Jahr 1927 kaufte die Gräfin Giovanna von Arco, Marchesa von Bagno das Burggelände und wurde alleinige Besitzerin. Später ging das Burggelände in den Besitz der Stadt Mantua über, 1982 erwarb die Gemeinde Arco die Burg.“ (Quelle Wikipedia)

Über die Vorgärten der Burg steigt man in Serpentinen auf schön angelegten Wegen hoch zum Burgtor. Der Burggarten ist noch frei für Jedermann und bietet einen herrlichen Ausblick auf den Lago. Für 3 Euro kann man die Burg besichtigen, was wir dann auch unternahmen. Die Ruine ist noch gut in Schuss und man erkennt die Dimension der damaligen Burg mit ihren über 200 Zimmern. Um die Burg bei Belagerungen autark mit Wasser zu versorgen wurden in der Burg zwei große Zisternen angelegt, da der Bau eines Brunnens recht aufwändig gewesen wäre. Der romanische Bau des Hauptturms dürfte aus der Zeit 1300 stammen. Deutlich sichtbar sind die noch vorhandenen Zinnen, die den damals typischen Baustil in Norditalien repräsentieren. Vom Turm selber sind nur noch die Außenmauer (ohne Nordmauer) erhalten geblieben. Bei dem dreistöckig angelegten Turm dürfte es sich um einen Wohnturm gehandelt haben. Der Rengheraturm ist der älteste Turm der Burg. Er ist der Funktion nach als Bergfried einzustufen. Er befindet sich am höchsten Punkt des Burgberges. Am Sockel des Baues sind noch die Mauern des Vorgängerbaues zu erkennen. Der Eingang zum Turm befindet sich in zirka sieben Meter Höhe; er war nur über eine Holzleiter zu erreichen. Im Turm befand sich eine Glocke Renga, über die die Burg und der Ort bei Gefahr gewarnt werden konnten. Der Wachtturm nach Langhel stellt in Richtung Norden den äußersten Punkt der Burg dar. Es handelt sich um einen viereckigen gemauerten und relativ gut erhaltenen Zweckbau. Nach gut 30min. hat man den Rundweg zurückgelegt und wir stiegen wieder ab in die Altstadt von Arco. Von der Sarca ging es rüber zum Monte Velo und den berühmten Pianaura „Trails“. Dieser Wanderweg führt zu den Höhlen und Kletterfelsen bei Moretta. Nach einem Parkplatz führt die Route 668 Richtung Troiana, hier geht man auf die Felswand zu, die bei Kletterern sehr beliebt ist (Steinschlag möglich). Es geht durch ein Buchenwäldchen, dann nach links weiter auf dem „Sentiero Naturalistico“, dann kommt man zu einem ehemaligen Kalksteinbruch. Der früher hier abgebaute Kalkstein wurde bis Padua und Wien exportiert. Der Weg führt nun 200 m durch Felswände hindurch, dann über Stufen bergauf, es folgen zwei weitere Steinbrüche, bis es am Wegweiser „Dosso Grande/Dro“ nach rechts geht, genauso wie an der folgenden Gabelung. Wir gehen allerdings die große Schleife weiter hoch und umrunden den „Gipfel“ durch Schützengräben der Kriegszeit um dann wieder an der Gabelung zu gelangen. Die Aussicht ins Sarcatal ist bombastisch.

Tja, ich wäre zwar lieber eine Biketour gefahren (Vielleicht sogar die verbotene Pianaura-Strecke), doch auch das Wandern hatte was.

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17.6. Monte Casale

Im Lago Biker 2011 wird die Tour zum Monte Casale vorgestellt. Entgegen der dort vorgestellten Variante über Arco und San Giovanni, habe ich mich für die Anfahrt über Pietramurata und der Sarca-Schlucht entschieden. Die Tour sollte in jedem Fall früh begonnen werden, denn 7 Stunden im Sattel sollte man einkalkulieren. Die ersten 18km fuhr ich auf dem Radweg und Schotterwegen an den Steilflanken des Monte Casale entlang Richtung Norden, bis links der Fluß sich seinen Weg durch eine enge Schlucht bahnt. Dieser folge ich über ein paar Kehren, bis ich auf dem gut ausgebauten Radweg Richtung Godenzo/Comano folgte. Die Trasse ist aus einer Steilwand rausgeschlagen und führt gute 100m über der Sarca tief in eine Schlucht rein. Höhenangst sollte man nicht haben, wobei es niemals gefährlich wird. Nach gut 40km zurückgelegter Strecke bietet sich eine ausgiebige Rast in Comano an, denn jetzt erfolgt der eigentliche Aufstieg zum Monte Casale. Die steilen Rampen zwischendurch sind zwar betoniert, es wird aber dennoch nicht jedem möglich sein, diese Anstiege auf dem Rad zu bewältigen. Die Erleichterung kommt, wenn man das Hinweisschild zum Rifugio „Don Zio“ liest. In zehn Minuten und einem letzten quälenden Aufstieg ist das Ziel nun erreicht. Am „Gipfel“ (eine Grashochfläche) auf ca 1650mM bietet sich ein 360 Grad Panorama an. Nicht weniger als sieben Seen liegen wie funkelnde Diamanten in der bergigen Landschaft. Im Norden ragen die Gipfelzacken der Brenta hervor, während im Westen die Gletscher des Adamello Gebirge hervorscheint. Bei gutem Wetter sieht man sogar die Marmolada und Sella. Hat man die Pflicht des Aufstiegs überwunden und sich am Ausblick satt gesehen, dann folgt nun die Kür auf dem fahrtechnisch interessanten Singletrail über den Höhenzug Richtung Süden. Man passiert dabei in einem Wechsel aus Wanderpfaden und Forststräßchen den bei Base Jumpern beliebten Monte Brento und die Malga Valbona, ehe man auf dem spaßigen „Sentiero dei russi“ zur Ferienhaussiedlung Marcarie gelangt und nach San Giovanni mit seiner Gaststätte. Der Gardasee rückt zum Greifen nah auf dem Weiterweg zur Bocca di Tovo. Jetzt sollte die Tragepassage hoch führen um den Piazzole Trail unter die Stollen zu nehmen, aber ich war halbwegs platt und entschloß mich Richtung Tenno abzukürzen. die 2000er Tagesmarke war fast erreicht und die Beine wurden schwer. Also fuhr ich Richtung San Pietro, Tenno und Cologna ab. Der Rückweg war da easy auf Radweg nach Arco.
Der Rückweg gestaltet sich nicht weniger strapaziös. Die folgenden Trails fordern einiges an Geschick vom Biker. Ein
achtsames Auge ist wichtig, denn die Einstiege sind nicht immer deutlich zu erkennen. Über San Giovanni und Tenno geht es
dann zurück zum Startpunkt.


 

18.6. Pasubio

„Alle guten Dinge sind Drei“ – so lautete meine innere Stimme. Schon zweimal zuvor wollte ich diese Tour fahren und jedesmal zwang mich das Wetter zum Umdrehen am Rif. Papa am Fuße des Pasubios. Wie wird´s wohl diesmal? Ganz am Anfang meines Gardasee Urlaubs hieß es, dass samstags das beste Wetter sein soll. Also fest eingeplannt: Bocchetta di Foxi. Diese Tour stammt auch von Ralf Glaser´s Buch Dynamite Trails Bd.2. Diese legendäre MTB Trailtour quert bei den Sieben Kreuzen die ehemalige Frontlinie am Monte Pasubio. Ein langer Aufstieg wird hier mit einem der besten Trails weit und breit belohnt.  Ein Glück, dass wenigstens die ersten 600 Höhenmeter von Raossi zum Passo Pian delle Fugazze geteert sind. Ein Großteil der 1600 Höhenmeter der Tour wollen nämlich am Stück bewältigt sein. Bis zum höchsten Punkt der Tour an der Seletta del Comando folgt man breiten Militärstraßen. Dann folgt die Strada del Eroi – die Straße der Helden. Eine Militärstraße in den Fels gehauen mit Tunneln und steil abfallenden Flanken. (Nicht zu weit außen fahren). Was soll das? Will eine Übermacht, dass ich diese Tour niemals bezwinge? Oder soll ich ein Held werden? Um mich rum wurde es neblig, windig und Donner mit dunklen Wolken zogen von Südost heran. Was nun? Halt und Schutz am Rifugio Papa suchen oder weiter? Schnell noch ein paar Bilder geknippst und den Gutwetterspielraum ausgenutzt hieß es. Also fuhr ich über die Porte del Pasubio und weiter hoch zur Seletta del Comando mit deren Kirche und dem Gedenksfriedhof über groben Schotter. Der erste Abschnitt über die Sette Croci ist zwar noch etwas zäh und hält auch ein paar Schiebepassagen parat. Doch je weiter man kommt, desto flowiger werden die Trails. Mittlerweile hatte ich auch mit Schnee von oben das Vergnügen. Lediglich zwischen der Bocchetta delle Corde und der Bocchetta di Foxi verlaufen einige Trailabschnitte etwas ausgesetzt. Unter dem Strich wartet eine der längsten und schönsten Trailabfahrten in diesem Teil der Alpen. Die erarbeiteten Höhenmeter werden dann praktisch komplett auf Singletrail wieder vernichtet! Ein regelrechtes Trailfeuerwerk und Belagsvernichter. Spitzkehren, grober Schotter, Absätze, Wurzeln und Flowpassagen – alles dabei, was ich mir vorgestellt habe. Es wundert nicht, wenn man zwischendurch ein Jubelschrei durch die einsamen Berge hört. Von Anghèbeni folge ich der Staatsstraße nach Rovereto. Bis hier her hatte ich noch richig Glück, doch ab Mori holte mich das Gewitter ein und ein Regenschauer sorgte für triefnasse Klamotten. (Wahnsinn: Sonne, Regen, Donner, Schnee, alles dabei – an einem Tag!)

Trotzdem eine super Tour – ein Highlight meiner Bikegeschichte.

To be continued… END.

F A Z I T

Wie jedesmal ein gelungener Gardasee-Urlaub! Mit dem Pasubio habe ich einen Top-Trail abgehackt, welcher schon lange auf meiner Liste stand. Das nächste Mal folgen die Trails am östlichen Gardasee´s und des angrenzenden Idrosee´s. Die Liste dafür steht bereits.

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