2016.10 Idrosee Alpinitrails

 Alpinitrails am

IDROSEE

9.-11. Oktober 2016

 

Nur einen Steinwurf vom überlaufenen Gardasee entfernt findet man zur Ruhe. Und ein spannendes Tourenrevier mit deftigen Trails gibt’s noch oben drauf.Den Idrosee als den „kleinen Bruder des Lago di Garda“ zu bezeichnen ist ein Vergleich, der schon ein wenig hinkt. Beiden Seen gemein ist ihre für einen Gebirgssee relativ niedrige Talhöhe – um die 380 Meter im Falle des Idrosees. Beide wurden im Ersten Weltkrieg hart umkämpft, was für uns Biker heute ein Traum an Trails bietet.

Die Touren am Idrosee haben das Potential, Klassiker zu sein. Sie sind es aber noch nicht wirklich. Ein Bike-Boom ist glücklicherweise in den Tälern der Judikarischen Alpen bisher ausgeblieben. Daher fand ich rund um den Idrosee ein fast jungfräulich gebliebenes Revier vor. Biker, die trotz ihrer Singletrail-Affinität auch längere Anstiege nicht scheuen, finden hier aber ein absolut geniales Revier mit zahllosen Möglichkeiten vor. Der gefürchtete „Gardasee-Schotter“ fehlt hier ganz. Die Schotterwege haben einen deutlich festeren Untergrund, die Singletrails sind wesentlich weniger verblockt.

B E S C H R E I B U N G

Am Anreisetag (9.9.2016) hat es leider den ganzen Tag geregnet, was gleich zu Beginn zur Streichung des Nozzolo Piccolo Trails führte und ich auf die beiden Highlights reduzieren mußte.

10.10.2016 Monte Stino 136 Kehren Trail

Am Monte Stino wartet eine Tour mit Hammerpanorama – aber auch mit einem sehr diffizilen Trail, der mit Versetzen des Hinterrades gut, ohne Versetzen in den Kehren oft mit Schieben verbunden ist. Der Anstieg von Baitoni über Bondone zur Alm Cingolo Rosso zieht sich ein wenig, verläuft aber auf Teer. Immerhin bietet die Schotterstraße ab Bondone einen immer festen Untergrund. Zudem hält nur der erste Abschnitt steile Rampen bereit. Der Rest des Anstieges gewinnt ziemlich gleichmäßig an Höhe und ist ein bißchen ein Geduldspiel. Der Trail zur Bocca Cocca wäre bergab ein flowiger Traumtrail. Bergauf gefahren, wie ich ihn fuhr, präsentierte er sich reichlich kraftraubend. Vom Pass führt ein Schotter-/Teerabschnitt hinüber zum Gipfel des Monte Stino, ein sensationeller Aussichtspunkt über den Idrosee! Nur leider war es noch ein wenig bewölkt und leichter Regen prasselte vom Himmel. Ich besichtigte schnell noch die Alpinistellungen des 1. Weltkriegs, ehe es in den Trail ging.

An dem folgenden Abfahrtstrail könnten sich die Geister scheiden. Einerseits ist die Weganlage sensationell, und bietet der Trail immer wieder traumhafte Ausblicke. Andererseits sind gefühlt 50% der 136 Kehren nur mit Versetzen des Hinterrades fahrbar. Wer diese Technik nicht beherrscht, wird dem Flowzustand ausgebremst. Immerhin sind die Geraden zwischen den Kehren nie problematisch. Gut war, dass der Untergrund griffig war und ich mich am Hinterradversetzen versuchen konnte. Manchmal klappte es, manchmal nicht. Dann waren Passagen vorhanden, wo der Kopf nicht mitspielte. Aber an und für sich gut machbar!

Die letzte Querung der Tour von Vesta nach Baitoni bot nochmals einige heikle Abschnitte. Hier herrscht stellenweise klar Absturzgefahr, größte Vorsicht ist angebracht! Man muß sowieso einiges Schieben.

 


11.10.2016 Forte Cima Ora

„Diese Tour ist eine der schönsten weit und breit – aber gleichzeitig eine der anspruchsvollsten und gefährlichsten. Am Monte Breda ist der Raum für Fahrfehler gleich Null!“ Das klingt verlockend! Über Nacht hat es ab ca. 1200hm geschnieen.

Die Auffahrt bis zum Rifugio Baremone ist komplett geteert. Dank einer Durchschnittssteigung von konstant 10 Prozent sind die 1000 Höhenmeter ohne besondere Torturen zu bewältigen. Auch die Militärstraße zum Forte Cima Ora ist problemlos. Oben bietet sich ein überwältigender Blick über das Valle delle Chiese. Die Forts dort oben sind frei zugänglich und sehr interessant! Der nun folgende Trailabschnitt ist äußerst delikat. Der Trail bietet an sich technisch keinerlei Schwierigkeiten, ist aber sehr schmal und verläuft haarscharf am Abgrund vorbei. Raum für Fehler ist gleich Null! Durch den Schnee und die Regentage zuvor war dann noch alles rutschig und teilweise nicht ersichtlich, was unter dem Schnee/Laub alles verborgen ist. Es war aber noch gut fahrbar. Im weitere Verlauf führte eine kurze Tragepassage zum Gipfel des Monte Breda. Der folgende Kilometer Abfahrt ist technisch sehr anspruchsvoll, wenn auch zum Glück nicht mehr absturzgefährdet. Nasse Wurzeln, schnelle Turns und schlammiger Untergrund standen an. Hier war an Fahren fast nicht denkbar, da sich die Profile immer wieder vollsaugten und ein Grip nicht mehr vorhanden war. Lohn der Qual war schließlich eine episch flowiger Singletrail, der über gute sechs Kilometer von der Piana dei Bandi über den Monte Suello hinunter nach San Antonio führte.

F A Z I T

Der Idrosee ist definitiv eine Reise wert, auch wenn er noch nicht so erschlossen ist wie der Gardasee – aber will immer diesen perfekten Trail-Trubel? Manchmal ist weniger mehr – und das Potential an weiteren Touren ist definitiv vorhanden. Leider spielte das Wetter im Herbst nicht mehr ganz so mit. Bei einem schönen Altweibersommer wäre das sicherlich noch eindrucksvoller gewesen. Ich werde bestimmt nochmals bei einem Gardaseetrip die Stunde zum Idrosee wagen um die Trails zu suchen.

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